Diese Technologien werden die Landwirtschaft erobern

Okt 06, 2016
Presse

Düsseldorf, 05.10.2016 – Weltweit schrumpfen die Ackerflächen, während gleichzeitig immer mehr Menschen versorgt werden müssen. Dazu kommen steigende Lebensstandards in bevölkerungsreichen Ländern wie China und Indien, die die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen weiter ankurbeln werden. Auch in der EU ist daher mit deutlich steigenden Preisen für Agrargüter zu rechnen, auch wenn die aktuelle Marktlage dies derzeit noch nicht wiederspiegelt. Aufgefangen werden kann diese Problematik nur von höheren Erträgen: Eine Steigerung um etwa 40 Prozent mithilfe moderner Technologien halten Experten für realistisch. Die Voraussetzung: Landwirte müssten ihre Maschinenparks konsequent auf vernetzte und sensorgesteuerte Systeme umstellen. Der Finanzierungs- und Leasingspezialist DLL analysiert, welche Technologien mit der „Landwirtschaft 4.0“ mittelfristig Einzug in die Agrarwirtschaft von morgen halten.
 
Datenanalysen statt Intuition trauen
Jahrtausende lang fußte die Landwirtschaft auf genauer Naturbeobachtung und Erfahrungswerten, um die besten Zeitpunkte für Aussaat, Düngung, Pflege und Ernte der Pflanzen zu bestimmen sowie Wetterextreme frühzeitig zu erkennen. Aber auch der größte Erfahrungsschatz verblasst im Vergleich zu den Möglichkeiten, die heutige Technologie eröffnen: Mittels Mikrowettervorhersagen und Sensordaten, die von hochspezialisierter Software übersichtlich aufbereitet werden, lassen sich nicht nur Dünger, Saatgut, Treibstoff und Wasser sparen, sondern auch Pflanzenwuchs und -gesundheit lückenlos überwachen.
 
1. Vernetzte Landmaschinen
GPS-gestützte Mähdrescher, Ackerschlepper und Co. fahren mittlerweile zentimetergenau übers Feld – der Fahrer stellt nur noch die Systeme ein und kontrolliert den Ablauf. Auch vollautonome Systeme sind mittlerweile bereits vereinzelt im Einsatz – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie sich flächendeckend durchsetzen. Bereits 2025 könnte die Entwicklung soweit fortgeschritten sein, dass die einzelnen Landmaschinen sich per Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) untereinander abstimmen und so auch komplexere Arbeits- und Produktionsprozesse ohne menschliches Zutun bewältigen.
 
2. Sensorsysteme für Traktoren und Co.
An der Traktorfront montierbare Sensorsysteme sind mittlerweile in der Lage, den Nährstoffbedarf jeder einzelnen Pflanze zu ermitteln und die zugeführte Düngermenge entsprechend zu regulieren. Die punktgenaue Dosierung stellt den optimalen Einsatz von Düngemittel sicher und eine Überdüngung lässt sich so effektiv vermeiden. Einerseits erspart dies dem Landwirt erhebliche  Kosten, andererseits profitiert davon auch die Umwelt, da kaum noch überschüssiger Dünger in Oberflächengewässer und ins Grundwasser gelangt.
 
3. Big Data-Analysen
Über Sensoren auf dem Feld gesammelte Informationen etwa zu Bodenfeuchtigkeit, Nährstoffgehalt, Temperaturentwicklung und Sonneneinstrahlung liefern in Verbindung mit externen Daten wie Mikrowetterberichten und Satellitendaten zu Ertragszonen die nötige Datenbasis, um den Materialeinsatz effektiv zu senken: So sind aktuelle Softwarelösungen in der Lage, alle Daten in Big Data-Analysen zusammenzuführen und daraus Empfehlungen für die optimale Bewirtschaftung der unterschiedlichen Ertragszonen der Ackerflächen abzuleiten – und das mit einer bislang nicht erreichbaren Genauigkeit. Einen Wertmutstropfen gibt es aber dabei: Grundvoraussetzung, damit die Daten in die Rechenzentren gelangen und weiterverarbeitet werden können, ist eine gute Netzanbindung, wie sie derzeit längst nicht in allen ländlichen Regionen gewährleistet ist – hier werden Bund, Länder und Netzbetreiber in den kommenden Jahren noch starke Aufbauarbeit leisten müssen.